Volkswagen Jetta Testbericht

Volkswagen hat auf dem Times Square in New York eine Bühne aufgebaut, um den Jetta-Neuling als das zu zeigen, was er ist: ein VW in Bestform – in jeder Hinsicht. Der Jetta ist in Amerika eines der beliebtesten deutschen Autos. Dank German Engineering, also deutscher Ingenieurskunst, lieben ihn die Amerikaner. Außerdem ist der Neue eine Design-Ikone. Verglichen mit dem Vorgänger macht der neue Jetta konzeptionell und stilistisch einen Riesensprung nach vorn. Er ist der dynamischste Jetta, den es je gab.
Ein Selbstzünder, der den Sprit für seine vier Häferln nach Common-Rail-Art anrichtet, ist ein kultivierter Geselle mit Start-Stopp-System und wohltemperierter Laufharmonie. Ein gelungener Wurf! Ein souveränes Auto mit vernünftigen Verbrauchswerten. Sagte schon Erich Fromm – wir kennen ihn vom Standardwerk „Haben oder Sein“: „Feine Sache, feines Auto.“ Welches Auto der große Denker und Psychoanalytiker auch immer damit meinte. Ich würde das über den neuen Jetta sagen. Das Auto nimmt einen mit, nicht nur physisch, sondern auch mental, wenn‘s sein muss auch emotional. Das war beim Jetta – Markteinführung 1979 – eigentlich noch nie so richtig der Fall. Ulrich Hackenberg, Technik-Vorstand bei Volkswagen, formuliert es diplomatisch: „Dieses Auto hat eine gewisse Historie“. Der VW Jetta war immer „der Golf mit dem Rucksack“. Der Achtungserfolg blieb aus – zumindest bei uns hier und in Deutschland, nicht so in den USA.
Nun ist die sechste Generation auf den Markt gekommen. Zuerst in den USA. Gebaut wird er derzeit in Mexiko. In China ist ein weiteres Produktionswerk für den Jetta geplant. Er ist formschöner und innen hochwertiger geworden.

Biedermann-Image abgelegt
Vor 125 Jahren trat das Automobil zwischen Manufaktur und Massenfertigung seinen Siegeszug an, weil es beim Menschen ansetzte, und zwar bei seinem unbändigen Drang zum leichteren Leben. In den bisherigen 125 Jahren wurden rund 2,5 Milliarden Autos gebaut. Eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. Am Höhepunkt der automobilen Evolution stehen hochtechnische und formvollendete Fabrikate jeglicher Klasse und das gängigste wird der neue Jetta sein, denn endlich haben sich innovationsgeschwängerte Designer ausgetobt und der Jetta hat nun sein Biedermann-Image abgelegt. Jetzt blickst du hin und er erobert dich. Du fährst und spürst die Essenz: Das ist German Engineering!

Erwachsen geworden
Mit einer um neun Zentimeter gewachsenen Länge von 4,64 Metern und 510 Liter Kofferraum passt er genau in die Lücke von Golf (4,20 Meter) und Passat (4,77 Meter). Er ist also länger und geräumiger geworden.
Die Leistung von 77 kW / 105 PS des Testwagens ist optimal inszeniert. Mit einer Tankfüllung kommt man sicher 1.000 km, denn recht viel mehr als 5 Liter braucht der Selbstzünder nicht. Ist er einmal warm gefahren, hat er eine unglaubliche Laufruhe. Dieselnageln ist Klopfzeichen von einst und so lange her, wie das Hörspiel „Klopfzeichen“ von Heinrich Böll.
Wie sich beim Teststreckenabschnitt im kurvenreichen Helenental nach der Allander Abfahrt zeigte, hat der neue Jetta dort noch einmal nachgelegt, wo er schon bisher stark war. Fahrwerk.

Ein Doppelschritt nach vorne
Dieser Mix aus fahraktiv und komfortabel: souveräne Darbietung. Das geht verdächtig in Richtung Klassenbestwert. Das gut abgestimmte und abgefederte Fahrwerk hält den Wagen auch auf dieser Kurvenstrecken zuverlässig in der Spur. Ansonsten: innen wie außen sehr ansehnlich. Beim Interieur ist auch das redliche Bemühen um Ergonomik lobend zu erwähnen.
Meine Testreise geht nach Reichenau an der Rax. Trotz Einhaltung der ortsüblichen Geschwindigkeitslimits werde ich zwecks Verkehrskontrolle von einem Exekutivbeamten angehalten. In so einem Fall soll man höflicherweise den Motor abstellen. Meistens vergisst man. Der Jetta macht das von selbst. Start-Stopp-System! Der Herr Inspektor umschreitet bedächtig das Fahrzeug, begutachtet Details. Der Neuling gefällt ihm, er nickt zustimmend. „Danke, gute Fahrt.“ Wahrscheinlich ist ihm das Foto eingeschossen, auf dem Pop-Star Katy Perry, erfolgreichste US-Sängerin der letzen Jahre, bei der Weltpremiere des Jetta in Manhattan ein Kurzkonzert gab und bei ihrem neuesten Hit „California Girls“ auch noch auf die Motorhaube sprang.

Robert Voglhuber, Mostviertel Magazin

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