Nissan Juke Testbericht

Der neue Nissan Juke ist gewiss noch ein Kleinwagen, doch bei der Philosophie, die dahinter steckt, darf er alles sein – bloß nicht niedlich. Merkwürdige Formen prägen die etwas höher aufragende Karosserie. Die Radhäuser sind kräftig ausgestellt. Der neue Juke ist ein buchstäblich grobes Kaliber, der bewusst in die Nähe eines SUV (Sports Utility Vehicle) rücken möchte. Und in diesem Format liegt die Zukunft! Sie gehört sparsamen Autos – und zugleich solchen mit Charakter und ausgeprägter Identität.
Extrovertierte, männliche Kunden um die 30 sind wohl die potenziellen Käufer, die Nissan ansprechen möchte, aber auch selbstbewusste junge Damen. Gemeint sind Leute, denen vergleichbare Autos im Mittelklasse-Segment zu brav und zu gewöhnlich aussehen. Der kleinere Bruder des erfolgreichen Qashqai­ soll denn auch vornehmlich ein jüngeres Publikum anlocken, das auf konventionelle Schräghecklimousinen keine Lust mehr hat.
Der Neue kombiniert eine starke Ausstrahlung, einen Schuss Respektlosigkeit, progressives Design und sehr viel Energie mit einem spitzbübischen Sinn für Spaß. Mit Sicherheit belebt er den Markt durch einen Schuss Abenteuergeist und offeriert etwas radikal Neues im traditionellen Segment der Kleinwagen.

Ein Outsider hebt ab, eckt an
Große Räder, kleine Fensterflächen, breite Schultern – anders als die anderen. Und so will auch der Fahrer sein: anders als alle anderen! Einer, der sich durchsetzt, sich bewusst abhebt und gerne aneckt. Über genau so einen Menschentyp sinniert der ungarische Autor Antal Szerb in seinem Roman „Reise im Mondlicht“: „Ich mag Menschen nicht, die nicht so sind, wie andere Menschen. Schon die anderen Menschen sind widerlich genug. Und erst noch die, die nicht so sind.“ Dieser unverwechselbare Typ sitzt in diesem unverwechselbaren Auto. Es sticht heraus. Verwechslung ausgeschlossen – konkurrenzlos. Vergleichbare andere Wagen sehen alle zu zahm aus. Der Juke ist wie ein wildes Tier vorm Absprung auf einer Brandung im Wechsel der Gezeiten.

Zwischenstück von Micra und Qashqai
Mit dem Modell Qashqai, einem Kompaktauto in SUV-Optik, hat Nissan schon den Nerv der Zeit getroffen. Ein unglaublicher Verkaufsrenner! Der „größere Bruder“ war ein gelungenes Designer-Experiment. Mit dem neuen Nissan Juke hat man einmal ausprobieren wollen, wie weit man einen Schritt zu weit gehen kann.
Bleiben wir beim „Wechsel der Gezeiten“, weil es ein schönes Bild ist für unser Verhalten, das immer aufs flexibel sein abzielt. Sind wir wandlungsfähig, passt der Juke gut zu uns. Ob das aufregend ist oder nicht, wir wollen ein bisschen „Spaßfahrzeug“, einen Minivan und ein extrovertiertes SUV – aber sicher keinen normalen Kompaktwagen, dessen Stärken auf Komfort und Raumangebot begrenzt sind. So haben wir einen Cross­over zwischen den Schubladen und Wanderer zwischen den Welten.
Sehen wir uns das Äußere genauer an: Ungewöhnlich ist das Beleuchtungsdesign. Tagfahrlicht und Blinker sind oben lang und schmal zu beiden Seiten der Motorhaube platziert und bilden wie beim Micra zwei Wülste im Blickfeld des Fahrers. Darunter topfgroße Scheinwerfer, die vom Design her in das Lüftungsgitter integriert sind. Und ganz unten – als Teil des Unterfahrschutzes – noch einmal die Spots der Nebelscheinwerfer. Die Heckleuchten haben die Form eines Bumerangs und kommen einem von den Volvo-Kombis her durchaus bekannt vor. Die hinteren Griffe sind im Türrahmen versenkt.

Kontrollsystem verändert den Charakter
Das Interieur wirkt gut inspiriert. Vor allem sticht der lackierte Mitteltunnel hervor. Er soll an den Tank eines Motorrades erinnern – wenn man es weiß, dann tut er es auch. Das Armaturenbrett ist frisch und dennoch zweckmäßig. Details wie die luftige fledermausflügelähnliche Sonnenblende über den Anzeigeinstrumenten, die flossenartige Innerverkleidung der Seitentüren und der bunte Boardcomputer geben der Fahrgastzelle eine verspielt-poppige Note.
Eine Dreifacheinstellung am Boardcomputer lässt zwischen Normal-, Eco- und Sportmodus variieren. Im Eco-Modus läuft auch die Klimaanlage auf Sparflamme und hilft so ein wenig beim Spritsparen. Das Ganze heißt „Dynamic Control System“.
Drei Motorisierungsmodelle stehen zur Verfügung: Visia, Acenta und Tekna. Testauto ist der „kleine“ Benziner mit 1,6 Litern Hubraum. Er kommt auf 86 kW (117 PS) und soll auf 100 Kilometer im Schnitt 5,9 Liter Super verbrauchen. Zu haben ist der ausgefallene Eyecatcher um 19.533 Euro.

Robert Voglhuber, Mostviertel-Magazin

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